Fakten zur Pelzproduktion

Fakten zur Pelzproduktion in Deutschland
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Wusstest du, dass…

… in Deutschland derzeit 10 Nerzfarmen bestehen?


www.tierschutzbilder.de – Jan Peifer

In deutschen Pelzfarmen werden Nerze auf engstem Raum gehalten. Diese Tiere verbringen ihr kurzes Leben bis zur „Ernte“ (Fachausdruck der Pelzfarmer für die Tötung und Häutung der Tiere) in schmutzigen, engen Drahtkäfigen, wo sie zum Teil jeglichen Witterungsbedingungen schutzlos ausgeliefert sind. Diese Intensivhaltung ermöglicht den Züchtern die profitabelste Variante der Pelzproduktion – auf Kosten der Tiere.
Außer den 10 Nerzfarmen existieren noch Chinchilla- und Kaninchenzuchten, die ebenfalls für die Pelzindustrie arbeiten.

… die Haltungsbedingungen nicht einmal den Minimalansprüchen der Tiere gerecht werden?


www.tierschutzbilder.de – Jan Peifer

Für den maximalen Profit der Pelzfarmer müssen die Tiere in intensiver Massentierhaltung ihr Leben verbringen. Diese Haltungsmethode schließt jegliches Ausleben des natürlichen Verhaltens der Tiere aus. Verhaltensforscher zeigen auf, dass bei allen Pelztierarten, die auf Drahtgitterböden gehalten werden, Schäden an den Pfoten, übermäßiges Auswachsen der Krallen und Wundinfektionen zu beobachten waren. Stereotypische Verhaltensweisen wie monotones Hin- und Herbewegen von einer Käfigseite zur anderen und starre, sich wiederholende Bewegungsabläufe sind typische Anzeichen für eine massive psychische Verhaltensstörung, die bei Tieren in Gefangenschaft oft zu beobachten ist. Darüber hinaus können sich häufig Selbstverletzung durch das Fell- und Schwanzbeißen oder gar Kannibalismus zeigen. In diesen tierfeindlichen Haltungsbedingungen kommt es durch den Stress oft vor, dass die Muttertiere ihre eigenen Jungen auffressen.

… die Tiere durch Vergasen, Genickbruch oder Stromschlag getötet werden?

Bei der Wahl der Tötungsmethode geht es in erster Linie darum, die Qualität des Fells nicht zu beeinträchtigen. Übliche Tötungsmethoden auf Empfehlung des Europarates sind: Vergasung durch Kohlenmonoxid, Elektroschock, Genickbruch oder Giftinjektion. Bei der Elektroschockmethode wird den Tieren jeweils ein Stromstab, geladen mit 240 Volt, in den Anus und in das Maul eingeführt, sodass die Tiere innerlich verbrennen und das Fell unbeschädigt bleibt. Keine dieser genannten Tötungsarten gewährleistet, dass die Tiere schmerzfrei sterben.

… für einen Pelzmantel bis zu 60 Nerze 20 Füchse 50 Waschbären 200 Chinchillas sterben?

… Nerze in freier Wildbahn bis zu 10 Jahre alt werden?


www.tierschutzbilder.de – S. Bröckling

Nerze zählen wie Füchse und Sumpfbiber zu den Wildtieren. Freilebende Nerze bewegen sich in einem Gebiet, das bis zu 31 Millionen Mal größer ist als ein durchschnittlicher Farmkäfig. Nerze in Freiheit können ein Alter von sieben bis zehn Jahren erreichen, doch auf Pelzfarmen sterben die Tiere etwa sieben Monate nach ihrer Geburt, sobald ihnen das begehrte Winterfell gewachsen ist. Außerdem brauchen Nerze für eine artgerechte Entfaltung Wassergebiete – das einzige Wasser was das Wassertier Nerz in der Pelztierfarm zu sehen bekommt, ist ein kleiner Trinknapf. Die Ludwig-Maximilians-Universität in München führt derzeit eine Studie für die verbesserte artgerechte Haltung für Nerze in der Pelzproduktion durch. Die Ergebnisse der Studie zeigen schon jetzt, dass Nerze Wasser benötigen. Daher soll ab 2016 eine gesetzliche Regelung für deutsche Pelzfarmen in Kraft treten, die Nerzen durch einen Wasserzugang ein artgerechteres Leben ermöglichen soll. Dies ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, doch auch mit Wasserbecken ist und bleibt Pelz inakzeptabel.

… eine weitere Pelzgewinnung die Fallenjagd ist?
Die Pelzindustrie behauptet, dass die Jagd eine notwendige Bestandsregulierung sei. Doch die meisten Pelztiere wie Nerze oder Füchse sind Beutegreifer. Ihr Bestand wird durch das Beuteangebot reguliert. Jeder Eingriff von außen stört das natürliche Gleichgewicht der Tierwelt. Die Vergangenheit zeigte bereits, dass Tierarten wie Schneeleoparden, Geparden oder Tiger aufgrund ihrer Felle fast ausgerottet wurden. Diese Tierarten kommen zwar nicht in Deutschland vor, jedoch gibt es hier Jagd auf einheimische Pelztiere. Millionen Waschbären, Füchse und Marder geraten jährlich in Fangeisen oder Schlingen von Fallenstellern. Dabei werden die Tiere keinesfalls sofort getötet, sondern kämpfen oft stundenlang um ihr Leben, bevor sie an Erschöpfung, Hunger oder ihren Verletzungen sterben. Heute stammt ca. 1/4 der zu Pelz verarbeiteten Felle aus dem Fallenfang.

Fakten zur Pelzproduktion im Ausland
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Wusstest du, dass…

… Weltweit jedes Jahr über 50 Millionen Tiere wegen ihres Pelzes getötet werden?

…50% aller Pelzartikel aus China stammen?
China hat sich in den vergangenen Jahren zum größten Pelzproduzenten entwickelt. Das liegt daran, dass es in China keine Tierschutzbestimmungen gibt, weder im Hinblick auf die Haltungs- noch auf die Tötungsmethoden. China ist der weltweit billigste Produzent von Pelzen, auch von Hunde- und Katzenfellen. Der Hauptmarkt hat von Europa und Nordamerika nach China und Russland gewechselt.
In Deutschland gibt es gesetzliche Bestimmungen über die Haltungs- und Tötungsmethoden der Tiere, auch wenn diese nicht human sind. In China gibt es so etwas gar nicht. Die Tiere werden kostengünstig und somit profitmaximierend bei lebendigem Leib gehäutet, totgeschlagen, vergiftet oder in kochendes Wasser geworfen. Schätzungen zur Folge werden jährlich 2 Millionen Hunde und Katzen in China getötet, um aus ihren Häuten wirtschaftlichen Gewinn schlagen zu können. Diese Felle landen meist unter falscher Deklaration, trotz eines EU-weiten Einfuhrverbotes aufgrund einer noch fehlenden Kennzeichnungspflicht, auf Jackenkrägen und Accessoires in deutschen Modegeschäften.

… in Österreich und Großbritannien das Betreiben von Pelzfarmen gesetzlich verboten ist?
Auch das Schweizer Tierschutzgesetz schreibt vor, dass Wildtiere wie Füchse und Nerze unter Zoostandards gehalten werden müssen. In den Niederlanden ist die Haltung von Chinchillas und Füchsen zur Pelzgewinnung verboten. Deutschland sollte sich ein Beispiel nehmen!!!

…der Umsatz der gesamten Pelzwirtschaft 2009 bei 14 Milliarden US-Dollar lag?
Davon wurde etwas weniger als die Hälfte in Europa erzielt. Insgesamt werden pro Jahr etwa 90 Millionen Felle verarbeitet, davon 28 Millionen Nerzfelle und 4 Millionen Fuchsfelle. Die heute genutzten Fellarten kommen zu 46% aus Zucht und Farmhaltung (Chinchilla, Nerz, Marderhund), zu 37,6 % aus Weide- und Stallhaltung (Lamm, Ziege, Kalb) und zu 15,5 % aus Jagd (u.a. Bisam, Nutria, Rotfuchs, Waschbär und neuseeländisches Opossum).

Fakten zur Kennzeichnungspflicht
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Wusstest du, dass…

… es bisher keine Kennzeichnungspflicht für Echtpelz gibt?
Mit der neuen Tierschutzgesetzgebung gilt seit dem 31. Dezember 2008 ein Importverbot für Hunde- und Katzenfelle sowie daraus hergestellte Produkte. Dieses lässt sich jedoch nur durchsetzen, wenn die Produkte einwandfrei deklariert sind. Besteht aber ein Kleidungsstück zu 51% aus Stoff, wird es als reines Textil gekennzeichnet, Fellkragen hin oder her! Meist fehlt der Hinweis zu Echtpelz, ganz zu Schweigen von der Bezeichnung um welches Tier es sich handelt und wo es her stammt. Selbst die Verkäufer wissen in den seltensten Fällen Bescheid von welchem Tier der Pelzbesatz stammt. Eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungspflicht besteht noch nicht.
Hunde- und Katzenfelle kommen deshalb unter falscher Etikettierung immer noch in die EU. Eine ausführliche Liste der Decknamen findest du unter: PDF

Am 11. Mai 2011 hat das Europäische Parlament für eine neue Verordnung zur Etikettierung von Textilien gestimmt. Demzufolge soll es in der EU zukünftig bei Textilien verpflichtend sein, Bestandteile tierischen Ursprungs wie Pelz als solche zu kennzeichnen. Noch ist diese Verordnung allerdings nicht in Kraft. Bis dahin ist besondere Vorsicht beim Einkauf geboten.

Fakten zu Kaninchenfell
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Wusstest du, dass…

… viele Pelzprodukte aus Kaninchenfell sind?
Der flauschige Besatz an deiner Strickjacke, die Bommel an deiner Mütze, die Fransen an deinen Stiefeln oder gar die Spielmaus deiner Katze könnten aus süßen Häschen gemacht sein.
Kaninchenfell ist oft günstiger als die Häute von anderen Tieren wie z.B. Fuchs oder Nerz. Somit treibt die Pelzindustrie den Handel mit Fellaccessoires und Pelzbesatz voran, um neue Kunden für ihr blutiges Geschäft zu gewinnen.

… Kaninchenfell kein Abfallprodukt ist?
Bei Kaninchenpelz ist oft die Rede von „Pelz mit gutem Gewissen“, da es sich um ein Abfallprodukt der Fleischindustrie handle. Diese Annahme ist falsch. Man unterscheidet bei der Kaninchenzucht zwischen der Fleischgewinnung und der Pelzgewinnung. Rex-Kaninchen werden gezüchtet und getötet, um ausnahmslos aus ihren Fellen Gewinn zu schlagen und bei der Zucht von Orylag- Kaninchen fließen über 60% in den wirtschaftlichen Gewinn der Pelzbranche. Lediglich von den weißen „Mastkaninchen“, deren Fleisch den höchsten kommerziellen Gewinn erzielt, wird das Fell für kleinere Accessoires verwendet. Ähnliches gilt auch für Lederprodukte, denn der Kauf von Leder trägt direkt zu dem Geschäft der Intensivhaltung und Schlachthäuser bei, da die Tierhäute das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der milliardenschweren Fleischindustrie sind.
Eine ausführliche Recherche zu diesem Thema hat die Coalition to abolish the fur-trade durchgeführt. Hier der Bericht von CAFT UK als PDF.

… es auch Kaninchen-Pelzfarmen gibt?
Die Pelzfarmen ähneln den Legebatterien der Hühner. Hunderte von winzigen Drahtgitterboxen sind aneinander gereiht. Während die weißen Kaninchen, die in erster Linie ihres Fleisches wegen gezüchtet werden, in Gruppen gehalten werden, müssen Rex und Orylag ab dem Jugendalter in Einzelhaft sitzen, damit sie sich nicht gegenseitig den Pelz beschädigen. Ein Käfig hat hier die Größe von 60x40 cm und eine Höhe von 30 cm. Zur Veranschaulichung: dies entspricht in etwa einer Größe von 2 Schuhschachteln. Keines der Kaninchen hat je die Möglichkeit, seinen natürlichen Bedürfnissen nachzugehen. Sie verbringen ihr kurzes, trauriges Leben in Drahtgitterkäfigen, in denen sie weder buddeln, hoppeln noch spielen und sich aufrichten können. Die Käfige haben keine festen Bodenplatten oder Einstreu, sondern Gitterböden, damit Kot und Urin direkt hindurch fallen können. Die Kaninchen sind so dem beissenden Geruch von Ammoniak ihr ganzes Leben lang ausgesetzt. Die Schlachtmethoden sind bei Kaninchen ähnlich wie bei anderen Pelztieren: Man bricht ihnen das Genick oder schlägt ihnen den Schädel ein, bevor man sie an den Füßen aufhängt und ihnen die Schlagader durchschneidet.